Es gibt ja Dinge, die sind in aller Munde. Jeder hat so was, jeder braucht so was. Und manchmal sind sie so überflüssig wie ein Kropf.

Wisst Ihr, was meines Erachtens dazu gehört: Der Elevator Pitch.

Was ist das?

Na ja, stellt Euch vor, Ihr steht in einem Aufzug, und herein schneit Euer Lieblingskunde oder Lieblingsinvestor, also die Person, die Ihr für Euer Unternehmen jetzt wirklich dringend braucht. Er/sie drückt auf den Knopf für den fünften Stock, und Ihr wisst: Ihr habt jetzt genau 30 Sekunden, um ihm/ihr etwas Maßgebliches über Euer Unternehmen zu erzählen.

Der Elevator Pitch wird als maßgebliches Marketing und Strategie Tool dargestellt, gemäß der Maxime: Bring’s auf den Punkt.

Ich war schon auf etlichen Unternehmensseminaren, auf denen die Teilnehmer Elevator Pitches formulieren mussten. Auf vielen Unternehmens-Webseiten sind sie zu finden. Vor fünf Minuten las ich wieder mal einen. Und wisst Ihr was?

Es nervt. Der Elevator Pitch wird gnadenlos überschätzt.

Ja – sicher hilft es einem jungen, unerfahrenen Gründer, sich mal für eine Stunde in aller Ruhe zu überlegen, was er/sie da eigentlich macht. Es macht den Kopf frei und reduziert das Denken wieder auf das Wesentliche.

Aber als strategisches oder gar Marketing Tool? Blödsinn.

Denn obwohl man immer wieder liest, dass es im Elevator Pitch auf die emotionale Ansprache ankommt, habe ich noch keinen gelesen oder gehört, der mich in irgend einer Weise emotional berührt hätte. Elevator Pitches scheinen es zu vervollkommnen, aus jeder Unternehmensphilosophie die Emotionen, die Geschichten, das Schöne heraus zu sieben und nur ein klägliches Gerüst stehen zu lassen. Und das soll es dann sein, worauf es wirklich ankommt?

Wenn ich im Fahrstuhl einem wichtigen Investor begegnen würde, dann würde ich wohl folgendes sagen:

„Wissen Sie, ich könnte Ihnen jetzt in 30 Sekunden etwas über mein Unternehmen erzählen. Aber eigentlich habe ich dazu gar keine Lust. Als ich 12 war, habe ich mal einem erwachsenen Mann den Kiefer gebrochen, weil er ein Pferd gequält hat. Als ich 14 war, bin ich stundenlang alleine mit meinem Hund durch den Wald gestreift und habe Geschichten geschrieben. Als ich 16 war, wollte ich die Welt retten. Und wissen Sie was? Heute, über 20 Jahre später, will ich das immer noch. Wenn Sie das auch wollen, dann brauchen wir keine 30 Sekunden, sondern vielleicht 3 Stunden, und dann erzählen wir uns Geschichten von damals, als wir Kinder waren, und fantasieren über eine Zukunft, in der alle Menschen zusammen arbeiten.

Na ja, und wenn Sie das nicht wollen, dann will ich auch Ihr Geld lieber gar nicht erst haben, Herr Investor. Oh, hier ist auch schon der fünfte Stock. Haben Sie einen sonnigen Tag!“

Und was heißt das für Unternehmer? Schreibt keine Elevator Pitches. Erzählt Geschichten!


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