„Geht nicht gibt’s nicht“ – der Spruch ist so abgegriffen, dass er den meisten nur ein müden Grinsen hervorruft. Aber – Ihr werdet lachen – ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er stimmt. Nicht, dass ich nicht auch manchmal in die „Geht nicht, kann ich nicht, keine Ahnung“ Falle tappte – doch, das passiert. Aber wenn es passiert, erinnere ich mich selbst daran, dass „Geht nicht!“ immer nur eine Illusion ist. Und das weiß ich, weil ich es selbst erlebt habe.
Früher habe ich gern getanzt. Nicht nur ein bisschen in der Disko, sondern „so richtig“ – Standard und Latein, bis hin zu Gold Star. Problemlos war das nie, durch eine angeborene Schwäche meiner Sehnen. Tanzen, Eislaufen, Rollerscaten, auch Joggen – das alles war mit Schmerzen verbunden. Als junge Frau war es auszuhalten, später wurde es allerdings schlimmer. Ein Arzt empfahl mir, mit dem Sport kürzer zu treten. Ich hörte auf ihn.
Später, im Berufsleben, hatte ich ohnehin keine Zeit für Sport. Da ich während meiner Zeit als Fernsehjournalistin ohnehin fast ausschließlich von Kaffee und Zigaretten lebte, musste ich mir keine Sorgen um meine Figur machen. Alles andere war zweitrangig. Erst nach der Geburt meines Sohnes und dem Ausstieg aus der Fernsehbranche fing ich wieder an mit Sport. Ich lief drei, vier Mal die Woche, ging ins Fitnessstudio. Endlich konnte ich Bewegung wieder genießen. Die Schmerzen in den Knöcheln waren, da ich behutsam vorging, auszuhalten.
Dann verdrehte ich mir beim Bogenschießen das Knie. Nur eine Lappalie, dachte ich – aber die Schwellung ging nicht zurück. Der Arzt verbot mir strikt jede Belastung der Gelenke. Also auch das Laufen. Und ein knappes Jahr später brach ich mir den Knöchel, zusammen mit einem Bänderriss. Als im Krankenhaus der Fuß geröntgt wurde, konnte ich nicht mehr aufhören zu heulen. Für mich war klar: Kein Arzt wird mir je wieder erlauben, zu joggen. Oder gar richtig Langstrecke zu laufen.
Und so war es auch. Man empfahl mir Nordic Walking. Aber ich WOLLTE keine ruhigen Sportarten. Sport, der mir Spaß macht, musste anstrengend sein. Ich wollte rennen, und zwar durch den Wald! Einige Jahre lang wurde es schlimmer. Ich bewegte mich wenig, nahm zu. Schließlich hatte ich 30 kg Übergewicht. Die waren nicht nur auf zu wenig Sport zurück zu führen. Falsche Ernährung kam hinzu – und grundsätzliche Unzufriedenheit mit meinem Leben.
Und dann reichte es. Ich sah eines Tages in den Spiegel und stellte fest: „Du bist fett, Du bist krank, und Du bist unglücklich. Wenn es so weitergeht, gehst Du daran zugrunde“.
Also änderte ich… alles. Ich kündigte meinen Job und nahm mir drei Monate Auszeit, um heraus zu finden, was ich als nächstes machen wollte. Dann gründete ich meine erste Firma: Die Roosigen Zeiten.
Und ich fing wieder an zu laufen. Behutsam. Aber jeden Morgen. Anfangs wechselte ich mit Gehen ab. Nach zwei Minuten Laufens schnaufte ich schon wie eine Lokomotive. Schließlich schleppte ich da noch eine Menge zusätzlicher Pfunde mit mir herum. Ich stellte meine Ernährung um, begann zu meditieren. Später kam noch regelmäßig Yoga dazu.