Mit Entsetzen habe ich erfahren, dass der Rapper Bushido in der Auswahl zum Bambi steht. Darum erlaube ich mir, eine Frage an die Bambi-Jury zu richten: Ist das wirklich Ihr Ernst?

Das zarte Rehlein der Publikumsgunst bekommt, so lese ich auf der Bambi-Webseite, ein deutscher Star, wenn er „im Lauf des Jahres Besonderes geleistet hat, besonders berührt, bewegt, unterhalten oder auch geholfen hat“. Und aus irgend einem mir unerfindlichen Grunde ist die Jury nun auf Bushido gekommen. Er soll den Bambi für sein Bemühen um – man horche auf – die Integration erhalten.

Wie bitte?

Nur, damit wir uns nicht missverstehen: Sprechen wir von dem Bushido, der sogar auf seiner Wikipedia-Seite eine Kategorie „Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit“ hat? Wer seine Texte liest oder (bewahre!) sogar hört, wird darin nicht nur frauenverachtendes Material finden. Bushidos Texte wimmeln von homophoben Aussagen, er zieht her über Juden, über den Islam, über Amerika. Er war wegen Körperverletzung in Untersuchungshaft und schlägt sich mit den verschiedensten Künstlern wegen Urheberrechtsverletzungen herum.

Bushido, der zu seinem Lied „Nutte Bounce“ beschwichtigend richtigstellt, er meine damit ja nicht Frauen im Allgemeinen – sondern nur „echte Schlampen„? So erklärt er uns selbst, was er meint: „Das sind Bilder. Mit „Tunte“ ist kein Schwuler gemeint und mit „Nutte“ nicht jede Frau, sondern ein Schwachkopf, Feigling oder so. Leute halt, die ich nicht mag.

Ich persönlich würde solche Begriffe – egal in welchem Zusammenhang – keinem unerzogenen Bengel auf der Straße durchgehen lassen. Von einem „Star“ erwarte ich noch einiges mehr. Ich erwarte vor allem, dass dieser keinen Bambi erhält. Und schon gar nicht für Integration.

Das einzig Integrative an Bushido ist tatsächlich sein Blut, das er seiner deutschen Mutter und seinem tunesischen Vater zu verdanken hat. Davon abgesehen schürt Bushido Hass, anstatt zu integrieren.

Welcher weichgespülte Migrantenversteher in der Jury hatte die Idee, Bushido plötzlich zu einem Integrationsidol zu stilisieren? Damit verhöhnt Bambi all jene, die sich wirklich für Toleranz und Integration einsetzen und deklassiert sich selbst.

Wer das ebenso wenig versteht wie ich, kann sich übrigens an julia.korn@burda.com wenden und sein/ihr Unverständnis für die Auswahl mitteilen.


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1 Kommentar

chrome · 11. November 2011 um 0:24

Ja. Der Meinung war Spiegel Online auch — und titelte ein bisschen holprig, aber ganz treffend „Pöbeln, bis der Preis kommt“.

–> http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,796979,00.html

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